Staatlich anerkanntes
Gymnasium







Schriftgröße ändern:  [A] [A] [A]      Startseite  |  Anfahrt  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum  «

Friedenspädagogisches Profil der Schulen der Schulstiftung

1. Der Auftrag

„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen“ (Matthäus 5,9).

Die Botschaft Jesu Christi von Frieden und Gewaltfreiheit steht gegen eine Kultur, die geprägt ist durch Kriege, Gewalt, Terror, Vertreibung, Flucht und Elend, massenhafte Rüstungsproduktion und Waffenhandel. Unfrieden und Gewalt bestimmen aber auch das Leben vieler Menschen im Alltag. Das ist kein auswegloses Schicksal. Frieden und gewaltfreie Konfliktlösung können gelernt werden. Es gibt ermutigende Erfahrungen, dass Gewalt schrittweise überwunden und die Kultur des Krieges und der Gewalt durch eine Kultur des Friedens abgelöst werden kann. Frieden zu stiften ist eine große Herausforderung, aber auch eine große Chance. Jeder Mensch trägt als Geschöpf Gottes die Fähigkeit zum Frieden in sich. Die Schulen der Schulstiftung wollen den christlichen Auftrag, Frieden zu lernen, im Sinne einer Selbstverpflichtung zu einem ihrer zentralen pädagogischen Anliegen machen. Sie greifen damit einen Vorschlag der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden auf, die im Rahmen eines umfassenden Beschlusses zur friedensethischen Neuorientierung auf dem Weg zu einer „Kirche des gerechten Friedens“, sagt: „Evangelische Schulen sollten ein friedenspädagogisches Profil haben“.

 

2. Friedenspädagogik an den Schulen der Schulstiftung

Für die Schulen gilt das Grundverständnis, dass nur durch Frieden ein Leben in Würde und Gerechtigkeit möglich ist. Frieden ist Voraussetzung und Ziel der Erziehungs- und Bildungsarbeit an den Schulen. Friedenspädagogisches Denken und Handeln ist an den Schulen kein Teilbereich von Erziehung und Bildung, sondern durchgehendes Prinzip, das in alle Bereiche hineinwirkt. Durch vielfältige Maßnahmen und Aktivitäten erarbeiten die Schulen zentrale friedenspädagogische Kompetenzen. Diese friedenspädagogische Ausrichtung soll durch ein friedenspädagogisches Profil systematisch weiterentwickelt und gestärkt werden.

 

3. Eckpunkte des friedenspädagogischen Profils

3.1 Soziales Lernen steht im Mittelpunkt der Friedenserziehung

Durch die Stärkung des Individuums und die Entwicklung von Gemeinschaftsfähigkeit wird an den Schulen ein positives Klima des sozialen Miteinanders, der gegenseitigen Wahrnehmung und Achtung, der Sorge für einander und der wechselseitigen Unterstützung geschaffen. Das Schulleben und die Schulkultur fördern die Schulgemeinschaft im Sinne einer „Caring Community“.

3.2 Konflikte und Gewalt werden konsequent zum Thema gemacht

Auseinandersetzungen und Konflikte sind ein Teil des Lebens und auch des Alltags an den Schulen. Sie erfordern die Entwicklung von Konfliktfähigkeit. Dazu gehört es, Konflikte nicht auszublenden, durch wegsehen zu übergehen oder zu verschweigen. Sondern konsequent zum Thema zu machen und anzusprechen. Die Schulen fördern Konfliktfähigkeit und geben Hilfen zur konstruktiven Lösung von Konflikten. Die Möglichkeit der Gewaltanwendung als menschlicher Handlungsmöglichkeit und ihre Problematik werden zum Thema gemacht. Für Gewaltverhältnisse zu sensibilisieren, gewaltfreie Handlungsoptionen zu entwickeln und anzubieten und strukturelle Gewalteinflüsse zu reduzieren, sind zentrale Aufgaben der Friedenspädagogik an den Schulen.

 

3.3 Praxis der aktiven Gewaltfreiheit

„Friede ist ein – immer erneut zu gewährleistender – Prozess der Förderung der Freiheit, des Schutzes vor Gewalt, des Abbaus von Not und der Anerkennung kultureller Verschiedenheit (EKD-Denkschrift, Aus Gottes Frieden leben, S. 124). Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg und Gewalt. Er entwickelt sich auf der Grundlage von Freiheit, sozialer Gerechtigkeit, Anerkennung von Vielfalt und dem Verzicht auf die Anwendung von Gewalt. Unsere Schulen fördern Frieden als Prozessgeschehen durch die Einübung von demokratischen Spielregeln und Formen der Selbstverantwortung. Von besonderer Bedeutung ist die gewaltfreie Kommunikation, die in eigenen Lernformen eingeübt wird. Das Ziel ist es, Schritt für Schritt zu einer Praxis der aktiven Gewaltfreiheit zu gelangen.

 

3.4 Orientierung an der biblischen Friedensbotschaft

Leitvorstellung der Friedenspädagogik ist die Gemeinschaft des gerechten Friedens. Sie ist biblisch begründet in Jesu Botschaft der Nächsten- und Feindesliebe, der Solidarität mit den Armen, Benachteiligten, Entrechteten und Unterdrückten. Ihre Wurzel ist Gottes bedingungslose Liebe und Zuwendung zu allen Menschen. Sie umgreift die unterschiedlichen Kirchen, Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen. Sie fordert sie heraus, gemeinsam für eine Kultur der Gewaltlosigkeit einzutreten und zu einem auf Frieden und Gewaltfreiheit ausgerichteten sozialen und politischen Handeln zusammenzufinden. Unsere Schulen fördern das Verständnis für die Friedensbotschaft der Bibel, der christlichen Kirchen und Religionen. Sie unterstützen die kritische Auseinandersetzung mit der Friedensethik und der Kultur von Frieden, Krieg und Gewalt. Sie machen geistliche Angebote, die helfen, die Bedeutung des Friedens umfassend zu erschließen.

 

3.5 Dimensionen der Friedenserziehung

Die Friedenserziehung bezieht sich auf die vier grundlegenden Dimensionen des gerechten Friedens: Frieden mit der Gemeinschaft (friedliches Miteinander im Nahbereich), Frieden mit der Erde (Umgang mit der Schöpfung und den Ressourcen), Frieden in der Wirtschaft (gerechtes Wirtschaften global und regional), Frieden zwischen den Völkern (Friedensethik, zivile Konfliktbearbeitung und –prävention) (EKIBA, Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens, S. 9).

Friedenserziehung lässt sich dabei nicht auf einzelne Themenfelder oder Unterrichtseinheiten begrenzen. Friedensrelevante Themen werden in allen Bereichen systematisch aufgegriffen. Friedenserziehung zielt auf die Entwicklung und Gestaltung einer Schulkultur, die Frieden fördert. Gewaltfreiheit, Toleranz, Wertschätzung, Anerkennung und Respekt bilden dafür die Grundlage. Unsere Schulen leben bewusst in einer Kultur des Friedens und richten die Art des Lehrens und Lernens danach aus.

 

3.6 Umsetzung an der Elisabeth-von-Thadden-Schule

Aktivitäten an der Elisabeth-von-Thadden-Schule, die zum Bereich der Friedenspädagogik gerechnet werden können:

 

In den Klassen

  • Einüben respektvollen Umgangs miteinander (Leitbild; Konfliktmanagement)
  • Integration von Kindern mit Handicap (v.a. Aspergerkinder) (Einüben respektvollen Umgangs)
  • Soziales Lernen als reguläres Unterrichtsfach in Klasse 5 (u.a. Erlernen von Konfliktlösungsmodellen)
  • Klassenrat mit Klassenregeln in Klasse 5-10 (Einübung respektvollen Umgangs und demokratischer Mitbestimmungsformen)
  • Aktivitäten im Programm „Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage“

 

Unterstützungssysteme

  • Mediencurriculum – Leben in sozialen Netzwerken in Klasse 5, 6 und 8 (Prävention Cyber-Mobbing)
  • No blame approach (Training im Umgang mit Mobbing)
  • Rebound Programm Klasse 9 (ressourcenorientierte Resilienz-Stärkung und Sucht-Prävention)

 

Im Unterricht

  • Integrative Module Klasse 8 und 10 – Auswirkungen der Globalisierung
  • Geschichtsunterricht Klasse 9 und K1 – Thema 1. und 2. Weltkrieg
  • Religionsunterricht Klasse 9 – Thema Holocaust
  • Gemeinschaftskunde 9 – Thema Migration
  • Gemeinschaftskunde K2 – Thema Friedensstiftung und Konfliktlösung
  • Sport – Einüben von Fairness und Teamgeist
  • Schulpartnerschaften und Schüleraustausche mit England, Spanien, Frankreich, USA (Völkerverständigung durch Begegnung)
  • Seminarkurse mit Austausch verbunden: Georgien, Israel, Polen (Völkerverständigung, Friedenssicherung, Konfliktlösung)
  • Seminarkurs: Wirtschaft und Verantwortung

 

Im evangelischen Profil

  • Religionsunterricht (verpflichtend)
  • Andachten und Gottesdienste – Thematisierung von politischen Konflikten, Thema Schuld und Vergebung
  • Patenkind und Spendenaktionen (Einüben von Perspektivwechsel und Verantwortung)
  • Projektfahrten in Klasse 9 (Erleben anderer Lebenskonzepte)
  • Diakoniepraktikum (zweiwöchig) in K1 (Engagement in sozialen Einrichtungen)

 

Durch Ausbildungsangebote und Dienste

  • Klassensprecherausbildung (Klasse 5-10)
  • 10er Patenausbildung – Übernahme von Verantwortung, Konfliktlösung mit Klasse 5
  • Schulsanitäter-Ausbildung
  • Umwelt AG
  • Umwelt- und Nachhaltigkeitsrichtlinien (Verantwortung für die Schöpfung)