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Aus einer Idee wurde ein Ort der Hoffnung

Basisfach Geographie gestaltet Dachterrasse der Palliativstation der Thoraxklinik Heidelberg

„Wie kann ein Ort aussehen, der Menschen in einer schwierigen Lebensphase Hoffnung, Ruhe und neue Kraft schenkt?“ Mit dieser Frage begann für das Basisfach Geographie der Elisabeth-von-Thadden-Schule ein außergewöhnliches Unterrichtsprojekt in diesem Schuljahr.

Initiiert und begleitet von Geographielehrer Steffen Schellhammer nahm der Kurs am Wettbewerb „Gestaltet Hoffnung – Eure Ideen für einen besonderen Ort“ der Thoraxklinik Heidelberg teil. Ziel des Wettbewerbs war es, kreative, einfühlsame und zugleich realistisch umsetzbare Gestaltungsideen für die Dachterrasse der Palliativstation zu entwickeln. Gesucht wurde kein gewöhnlicher Garten, sondern ein Ort, der Patientinnen und Patienten sowie ihren Angehörigen in einer besonders belastenden Lebensphase Ruhe, Geborgenheit und schöne gemeinsame Momente schenken kann.

Schon während der Planungsphase wurde den Schülerinnen und Schülern bewusst, welche besondere Bedeutung dieser Ort besitzt. Die Palliativstation der Thoraxklinik betreut Menschen mit weit fortgeschrittenen, meist nicht mehr heilbaren Erkrankungen der Lunge und der Atemwege. Ziel der Behandlung ist es, Beschwerden zu lindern und den Patientinnen und Patienten trotz ihrer Erkrankung möglichst viel Lebensqualität zu erhalten. Die Dachterrasse spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie bietet einen Ort außerhalb des Krankenzimmers, an dem Betroffene frische Luft genießen, die Natur erleben oder wertvolle Zeit mit ihren Familien und Freunden verbringen können. Viele Patientinnen und Patienten werden sogar mit ihren Krankenbetten auf die Terrasse gefahren. Deshalb musste das Gestaltungskonzept nicht nur ästhetisch überzeugen, sondern auch den besonderen Anforderungen des Stationsalltags gerecht werden. Breite Bewegungsflächen für Krankenbetten, pflegeleichte Bepflanzung sowie ausschließlich solarbetriebene Technik waren feste Vorgaben des Wettbewerbs.

So entwickelte der Kurs schließlich das Konzept „Garten der Ruhe und Erinnerung“. Ziel war es, einen Ort zu schaffen, der Geborgenheit vermittelt und alle Sinne anspricht.

Die Terrasse wurde bewusst in verschiedene Bereiche gegliedert. Eine gemütliche Ruhezone mit Loungemöbeln lädt zum Verweilen ein. Im Mittelpunkt befindet sich die Natur- und Sinneszone, die den bestehenden Brunnen in ein grünes Zentrum verwandelt. Lavendel, Rosmarin und verschiedene Ziergräser sorgen mit ihren Farben und Düften für eine beruhigende Atmosphäre. Zwei Gingkobäume setzen als Symbol für Hoffnung, Stärke und Beständigkeit besondere Akzente. In der Sonnen- und Lichtzone entstanden weitere Sitzmöglichkeiten für Begegnungen zwischen Patientinnen und Patienten, ihren Angehörigen und Freunden. Eine solarbetriebene Lichterkette sorgt in den Abendstunden für eine warme Atmosphäre, während Sonnenschirme angenehmen Schatten spenden. Ergänzt wird das Konzept durch eine kleine Erinnerungsecke, die Raum für Gedanken, Wünsche und Erinnerungen bietet. Gleichzeitig blieb der zentrale Weg zum Eingang der Station vollständig frei, damit Patientinnen und Patienten jederzeit auch im Krankenbett auf die Terrasse gebracht werden können.

Die Jury überzeugte das Gesamtkonzept – das Basisfach Geographie gewann den Wettbewerb.

Der eigentliche Höhepunkt folgte jedoch erst einige Wochen später. Gemeinsam mit Mitarbeitenden der Thoraxklinik durfte der Kurs seine Ideen selbst verwirklichen. Die Thoraxklinik stellte sämtliche Materialien zur Verfügung: Pflanzen, Erde, Kies, zwei Gingkobäume, einen solarbetriebenen Brunnen, eine Solar-Lichterkette, Loungemöbel, Sonnenschirme, eine Holzwand sowie zahlreiche weitere Gestaltungselemente. Aus den Entwürfen wurde innerhalb eines Tages ein realer Garten.

Mit großem Engagement pflanzten die 13 Schülerinnen und Schüler Beete an, verteilten Kies, positionierten Möbel, gestalteten die einzelnen Bereiche und verwandelten die zuvor eher nüchterne Dachterrasse in einen freundlichen und lebendigen Aufenthaltsort. Dabei wurde aus theoretischer Planung praktisches Handeln. Immer wieder mussten Entscheidungen getroffen, Ideen an die Gegebenheiten vor Ort angepasst und gemeinsam Lösungen gefunden werden. Für die Jugendlichen wurde unmittelbar erfahrbar, dass sorgfältige Planung, Teamarbeit und Ausdauer notwendig sind, damit aus einer Idee ein funktionierendes Gesamtkonzept entsteht.

Auch die Thoraxklinik trug dazu bei, dass dieser besondere Tag allen Beteiligten in bester Erinnerung bleiben wird. Zur Mittagszeit wurden die Schülerinnen und Schüler sowie alle Helferinnen und Helfer zu einem gemeinsamen Grillen eingeladen. Als Anerkennung für ihren außergewöhnlichen Einsatz erhielt jede Schülerin und jeder Schüler einen Einkaufsgutschein als Dankeschön. Eine Gedenktafel auf der Dachterrasse wird künftig daran erinnern, dass dieser besondere Ort von Schülerinnen und Schüler der Elisabeth-von-Thadden-Schule gestaltet wurde.

Für die Schülerinnen und Schüler war dieses Projekt weit mehr als ein Wettbewerb. Sie konnten erleben, dass Unterricht nicht an der Klassenzimmertür endet. Geographie bedeutet nicht nur, Lebensräume zu analysieren und zu planen – Geographie bedeutet auch, Verantwortung für Räume zu übernehmen und sie im Sinne der Menschen zu gestalten. Aus Skizzen, Ideen und Diskussionen entstand ein Ort, der künftig Patientinnen und Patienten der Palliativstation sowie ihren Familien in einer besonders schwierigen Lebensphase Momente der Ruhe, Begegnung und Hoffnung schenken wird.

Aus einer Unterrichtsidee wurde ein Ort der Hoffnung – und für alle Beteiligten ein Projekt, das noch lange in Erinnerung bleiben wird.