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Internationaler Holocaust-Gedenktag am 21. Januar 2026: #We remember. 

Anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktags am 21. Jan. 2026 konnten wir, SchülerInnen des Seminarkurses Israel und viele unserer MitschülerInnen der Kursstufe 1 sowie TeilnehmerInnen europäischer Partnerschulen der ORT school Kiryat Bialik, unserer Partnerschule in Israel, an einer Videokonferenz mit der israelischen Holocaustüberlebenden Miriam Harel teilnehmen. Was die 101 jährige Miriam uns aus ihrem Leben erzählte, hat uns tief berührt.

Miriam Harel wurde 1924 in der jüdischen Gemeinde von Lodz geboren. Zu diesem Zeitpunkt lebten allein in der polnischen Woiwodschaft Lublin, zu der auch Lodz gehörte, eine Million Jüdinnen und Juden.

1939, als Miriam 15 Jahre alt war, überfiel das nationalsozialistische sog. Deutsche Reich Polen. Viele jüdische EinwohnerInnen der Region Lublin ahnten, dass die antisemitischen Gesetze der Nazis auch auf die besetzten Gebiete ausgedehnt werden würden, und flohen in die Sowjetunion. Viele andere blieben — darunter auch Miriams Familie, die ihren alten Großvater nicht verlassen wollte.
Die Deutschen beschränkten sich zunächst darauf, die jüdische Bevölkerung auszugrenzen und vom öffentlichen Leben auszuschließen. Doch bald verschlimmerte sich die Lage bedeutend: Lodzer Jüdinnen und Juden wurden in einem neu eingerichteten Ghetto zusammengepfercht, wo hunderte Familien fast ohne Nahrung den Winter überleben mussten. Eines Tages jedoch machten die Nazis den jungen Frauen und Männern ein Angebot: Sie könnten zur Arbeit nach Deutschland kommen, würden mit dem Gehalt ihre zurückgebliebenen Familien ernähren können. Doch die Versprechungen der Nazis waren Lügen. Diejenigen Jüdinnen und Juden, die zustimmten, kamen nie zurück. Der Zug hielt schon nach wenigen Kilometern an, und alle InsassInnen wurden ermordet.

Daraufhin wurde auch die Bevölkerung des Ghettos in verschiedene Vernichtungslager deportiert. Miriam wurde von ihrer Familie getrennt und verließ den Zug im KZ  Auschwitz.

Gleich zu Beginn wurden die Ankömmlinge in zwei Gruppen aufgeteilt und vom Lagerarzt Dr. Mengele aussortiert: die Arbeitsfähigen und diejenigen, die zu jung oder zu alt waren. Diese zweite Gruppe wurde sofort in die Gaskammern geführt und ermordet. Miriam überlebte nur, weil sie sich als älter ausgab, als sie tatsächlich war.

Im Lager lebten die ZwangsarbeiterInnen unter menschenunwürdigen Bedingungen. Einmal lenkte sich Miriam bei der Arbeit durch ein deutsches Liebeslied ab, das eine der Aufseherinnen hörte. Sie bat Miriam um den Text und belohnte sie mit einem goldenen Ring, der eine hebräische Inschrift trug — er hatte einer ermordeten Jüdin gehört. Als die Kommandantin der Aufseherinnen Miriam mit dem Ring sah, wurde sie bestraft: Drei Tage lang musste sie auf mit spitzen Steinen bestreutem Boden knien und zwei schwere Steine über ihren Kopf halten. Nur in der Nacht konnte sie sich heimlich ausruhen.

Eines Tages flohen die AufseherInnen aus dem Lager. Als die InsassInnen aus dem Fenster sahen, rollten Panzer auf sie zu. Panik brach aus, bis jemand einen schwarzen Soldaten auf einem der Panzer bemerkte. Jetzt wussten die Häftlinge, dass die amerikanische Armee das Lager befreit hatte.

Nach dem Krieg fand Miriam in Polen zwei ihrer Schwestern wieder, die als einzige Familienmitglieder überlebt hatten. Zwei Jahre lang lebte sie in Italien, wo sie auch ihren Mann Josef kennenlernte und heiratete. Endlich bot sich ihnen die Möglichkeit, dem europäischen Antisemitismus, der sechs Millionen Jüdinnen und Juden das Leben gekostet hatte, zu entfliehen: Im April 1948 wurden Miriam und Josef Harel sowie ihr kleiner Sohn Chaim israelische StaatsbürgerInnen.

Heute ist Miriam Harel 101 Jahre alt und lebt in Kiryat Bialik bei Haifa. Ihre drei Kinder neun EnkelInnen und vier UrenkelInnen sieht sie als ihren persönlichen Sieg über das Naziregime an.

Miriam Harels Geschichte hat uns allen gezeigt, warum wir das Geschehene — den Holocaust, die Shoah, das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte — niemals vergessen dürfen. Wenn unsere PolitikerInnen heute, 81 Jahre danach, mahnen: „Nie wieder“, so dürfen wir dabei nicht vergessen, dass Jüdinnen und Juden noch immer von Antisemitismus betroffen sind — überall auf der Welt. Auch in Deutschland müssen Synagogen und jüdische Kindergärten Tag und Nacht von der Polizei vor antisemitischen Übergriffen geschützt werden.

Wir dürfen nicht vergessen. Wir gedenken der Opfer des Holocaust, um sicherzustellen, dass „Nie wieder“ jetzt und in Zukunft keine leere Phrase ist. #WE REMEMBER.